Tello Drohne Test ⊂:•:⊃ dronesaplenty.com

Tello Drohne von Ryze im Test

Heute werfen einen genauen und kritischen Blick auf die Tello Drohne von Ryze Technology welche vielen fälschlicherweise als DJI Tello bekannt ist. Kann eine „Spielzeug-Drohne“ in diesem günstigen Preissegment zumindest einigermaßen überzeugen?

Das im Jahr 2017 in Shenzhen, China gegründete Tech-Startup Ryze Technology holt sich mit DJI und Intel gleich zwei nicht nur starke, sondern auch branchenführende Partner an Bord.

Ryze hat sich zum Ziel gesetzt, das Fliegen von Drohnen für jedermann zu ermöglichen. Dabei setzen sie auf spielerische Erlernbarkeit, was nicht nur spannend ist, sondern auch über alle Altersklassen hinweg Spaß macht. Die Basis dafür bietet die Tello Drohne, welche dank DJI Flugsteuerung und Intel Prozessor ein für jedermann einfach zu fliegender Quadcopter ist.

Im diesem Test über die Tello Drohne erfährst du, auf welchen Gebieten das Fluggerät überzeugen kann und natürlich ganz klar auch wo ihre Schwächen liegen.

Design

Die gute Nachricht gleich zuerst: Da das Gewicht der Tello Drohne bei lediglich 85 Gramm (offiziell 80g) liegt, ist in den meisten Ländern keine Registrierung bzw. keine Drohnen-Plakette von Nöten.
Der Winzling von Ryze misst lediglich 9,8 x 9,2 × 4,1 Zentimeter und ist damit gefühlt halb so groß wie beispielsweise die DJI Spark, wenn nicht sogar etwas kleiner.

Die Verarbeitung ist hochwertig. Alle Teile sind passgenau und die Haptik erinnert durchaus an Produkte von DJI. Die Propeller lassen sich nicht zusammenklappen, was bei dieser geringen Größe auch wenig Sinn machen würde. Des Weitern würden wir empfehlen, den Propellerschutz montiert zu lassen. Bei einer Lärmmessung in unmittelbarer Nähe der Drohne, welche sich gut 1 Meter über den Boden befand, zeigte das Schallpegelmessgerät bei montieren Propellerschutz lediglich 72 Dezibel (dB) an.

So klein, wie ist, lässt sich die Tello überall problemlos mitnehmen. Die Steuerung erfolgt ganz einfach über die kostenfrei und nicht registrierungspflichtige Tello App von RYZE Tech per 2.4 GHz Wi-Fi Verbindung via Smartphone oder Tablet. Als Zubehör ist optional der GameSir T1d Controller im DJI Store erhältlich. Weiters gibt es dort für das iPhone oder iPad den Gamevice Controller.

Kamera

Ja, die Tello Drohne kann nicht nur fliegen, sondern sie macht auch Fotos und sogar auch Videos. Die Qualität der Bilder bzw. Videos ist mittelmäßig. Man muss jedoch fair sein und hier ganz klar sagen, viel mehr kann man sich derzeit bei diesem Preis wirklich nicht erwarten. Ganz klar – Videos werden nicht in 4K aufgenommen und einen Gimbal sucht man hier selbstverständlich vergeblich.

Die Auflösung der JPG-Fotos liegen bei 5 Megapixel. Genauer gesagt bei 2592 x 1936 Pixel.
Das mp4 HD-Videoformat entspricht 1280 x 720p bei 30 Bildern pro Sekunde @ 4mbps. Für wackelfreie Videoaufnahmen sorgt der EIS (electronic image stabilization). Dieser funktioniert sehr zuverlässig und lässt Modelle anderer Anbieter welche das dreifache der Ryze Tello kosten stabilisierungstechnisch alt aussehen. Geht bei Außenaufnahmen spürbar der Wind, ist der EIS naturgemäß überfordert und es kommt zu unschönen Verwacklungen während des Filmens.

Fotos als auch Videos werden bei der Aufnahme auf dem Handy bzw. dem Tablet gespeichert. Ja richtig gelesen – die Medien werden nicht auf einer sich in der Drohne befindlichen SD-Karte gespeichert, sondern sogleich per Wi-Fi übertragen und im Smartphone abgelegt. Da die Reichweite des Signals sehr beschränkt ist und es bei größeren Distanzen immer wieder zu kurzen Ausfällen und Rucklern kommen kann, ist das übertragene Videomaterial ebenfalls ruckelig bzw. unvollständig.

Die schwache Bild- als auch Filmqualität und vor allem eine fehlende SD-Karte on-board, macht die Drohne für einen (semi-)professionellen Filmeinsatz ohne weiteres Zubehör quasi unbrauchbar.

Wer bestmögliche und ausfallfreie Aufnahmen mit der Ryze Tello filmen und gleichzeitig die Reichweite erhöhen möchte, kommt an einem Wi-Fi Verstärker samt passender mobilen Powerbank nicht vorbei. Bewährt hat sich bei unserem Praxistest dieser Wi-Fi Signalverstärker in Verbindung mit dieser Powerbank.

Flugeigenschaften

Eine Zusammenarbeit mit DJI, dem Drohnen-Marktführer und dem Chip-Giganten Intel lohnt sich für Ryze auf jeden Fall. Das Flugkontrollsystem arbeitet, wie man es von DJI gewöhnt ist äußerst zuverlässig. Ebenfalls an Board der Drohne befindet sich der Grafikprozessor Movidius Myriad 2 von Intel. Dieser scannt mithilfe von zwei nach unten gerichteten Kameras – dem Visual Positioning System (VPS) permanent den Boden ab. Er sorgt dafür, dass die Tello auch ohne GPS zuverlässig an Ort und Stelle schwebt und nicht davon driftet. Dieses Positionierungssystem arbeitet auch in einer Höhe von mehreren Metern über dem Boden und selbst bei moderatem Wind noch immer unglaublich gut! Selbstredend ist ausreichend Umgebungslicht vorausgesetzt. Im Dunkel funktioniert das Visual Positioning System natürlich nicht. Der Untergrund sollte über ein Muster oder über eine Struktur verfügen. Ein einfarbiger homogener Epoxidharzboden liefert dem VPS keine Anhaltspunkte. Auch in dieser Situation kann das System nicht einwandfrei arbeiten.

Flugmodi

Man kann in der Einstellung zwischen zwei Geschwindigkeiten wählen – langsam und schnell. Standardmäßig ist langsam aktiviert und das ist auch die geeignete Geschwindigkeit bei Indoorflüge. Im Freien kann man dann durchaus auf schnell umschalten. Praktischerweise ändert sich dann die Farbe der Kreise rund um die Steuerelemente in der App von Weiß auf Blau, um anzuzeigen, in welchem Modus man sich befindet. Im Sport-Modus erreicht die Ryte Tello immerhin einen Top Speed von 8 Meter pro Sekunde. Wer damit nichts anfangen kann, dem sei gesagt, es handelt sich dabei um ca. 30 km/h. Eine Anzeige zur aktuellen Geschwindigkeit in der App gibt es wegen fehlenden GPS nicht.

  • Throw & Go:
    Aktiviert man den Throw and Go Modus, starten die Motoren mit einer geringen Drehzahl.  Innerhalb von 5 Sekunden muss man nun die Drohne behutsam nach oben werfen. Ist sie in der Luft, stabilisiert sich die Drohne selbstständig und schwebt an Ort und Stelle. Reagiert man nicht, läuft der Counter links oben in der App aus und die Motoren schalten sich automatisch aus.
  • Up & Away:
    Entspricht ungefähr dem Dronie Modus der DJI Drohnen. Drohne fliegt langsam rückwärts und gewinnt allmählich an Höhe. Die Videoaufnahme wird hierbei automatisch gestartet und beendet.
  • 8D Flips:
    In der Mitte des Live-Screens erscheint ein großes Viereck. Slide einfach in eine beliebige Richtung innerhalb des Vierecks um einen Salto in diese Richtung zu drehen. Funktioniert selbstverständlich erst, nachdem die Drohne in der Luft ist.
  • Bounce Mode:
    In diesen „Gummiball Modus“ hüpft die Tello während des Fluges herum. Sie fliegt dabei zwischen 0,5 und 1,2 Metern stetig auf und ab. Lässt sich ebenfalls erst in der Luft  aktivieren und man kann gut beobachten, wie präzise sich der Multicopter bei unterschiedlicher Bodenfreiheit verhält.
  • Circle:
    Es wird automatisch ein Video aufgenommen, während sich die Drohne rund um ein Objekt dreht. Da es keine Optionen für Radius, Abstand oder dergleichen gibt, sollte man den Modus zuerst im Freien und bei ausreichend Platz üben.
  • 360:
    Dabei dreht sich die Tello positionsgenau rund um die eigene Achse. Nach einer kompletten 360 Grad Drehung stoppt die Aufnahme ebenso automatisch, wie sie aktiviert wurde.

Reichweite

Die maximale Höhe ist softwaremäßig auf 10 Meter über dem Startpunkt eingeschränkt und die aktuelle Höhe wird in der App fortlaufend angezeigt. Die maximale Reichweite wird vom Hersteller mit 100 Metern angegeben. In der Praxis ist diese Entfernung jedoch ohne Wi-Fi Booster auch im nicht urbanen Gebiet unerreichbar. Und das, obwohl sich in der Tello Drohne zwei verbaute Antennen befinden. Dies ermöglicht eine bessere Signalübertragung, unabhängig davon, in welche Richtung die Drohne gerade ausgerichtet ist.  Sollte die Wi-Fi Verbindung zum Handy verloren gehen, die App crashen, der Akku leer werden oder Ähnliches, leitet der Quadcopter automatisch an Ort und Stelle eine Landung ein. Da es keine Return-to-home Funktion gibt, raten wir dringend ab, über Gewässer sämtlicher Art zu fliegen!

Flugzeit und Ladezeit

Flugzeit:

Bei unseren Tests wurden die offiziellen 13 Minuten indoor und dementsprechend ohne Wind beinahe erreicht. Satte 12 Minuten und ein paar Zerquetschte schaffte es die Tello Drohne nonstop in der Luft zu bleiben.
Im Freien schaffte sie immerhin 11 Minuten, zahlreiche Flips & Bounces inklusive, bevor ihr der Saft komplett ausging und eine automatische Notlandung eingeleitet wurde. Und das obwohl die kleine Tello permanent tapfer gegen den Wind ankämpfen musste. Damit hat sie in etwa die gleiche Flugzeit wie die DJI Spark.

Ladezeit:

Beim Aufladen der Akkus ist man wie bei der Reichweite bzw. bei ruckelfreien Aufnahmen fast auf Zubehörprodukte angewiesen. Dass es bei der Ryze Tello Drohne kein „Fly More“ Bundle oder Vergleichbares gibt, sind weitere Akkus in Verbindung mit einer Akku-Ladestation geradezu obligatorisch. Beides gibt es sehr preiswert unter den eben oben angegebenen Links.
Verzichtet man auf den leistbaren Luxus, so ist man out-of-the-box laut Handbuch bis zu 90 Minuten am Aufladen des einzig mitgelieferten Akkus – und das über die Drohne via Micro USB 🙁

Die wichtigsten Tipps um das Leben deiner Akkus zu maximieren erfährst du übrigens in dem Artikel
11 Tipps für Lipo-Akkus. Dort erfährst du, was es zu beachten gilt, damit deine Akkus nicht frühzeitig altersschwach werden.

Steuerung

Einfach die Tello App aufs Handy oder Tablet herunterladen und schon kann es losgehen. Anders als bei der DJI GO 4 ist hier kein Benutzerkonto erforderlich. Keine E-Mail – keine Registrierung. Wer mit der zugegeben anfänglich etwas gewöhnungsbedürftigen Steuerung via Handy oder Tablet nicht zurechtkommt, kann als Zubehör einen Controller erwerben. Derzeit stehen zwei Modelle zur Auswahl, wobei der Gamevice Controller nur mit Apple-Produkte kompatibel ist. Android User müssen auf den GameSir T1d Controller zurückgreifen.

Zubehör

Wegen der kleinen Batterien, welche verständlicherweise nur für eine recht begrenzte Flugzeit sorgen, sind weitere Akkus dringend zu empfehlen. Die Ladezeiten lassen sich mit einer Akku-Ladestation, welche Platz für vier Batterien bietet und alle gleichzeitig auflädt, drastisch reduzieren. Wer mit einem Smartphone nicht fliegen will oder kann, ist mit einem der oben angeführten Controllern unter dem Punkt „Steuerung“ bestens bedient.

Fazit

Die Tello Drohne von Ryze bietet bis dato mit Abstand das beste Preis-Leistungsverhältnis. Dank der fortschrittlichen Technologie von DJI und Intel können wir die Tello Drohne jedem Anfänger uneingeschränkt empfehlen. Bezüglich des Preises und des Gewichtes kann man sie durchaus als Spielzeug-Drohne bezeichnen. Doch ist sie so viel mehr! Mit ihren hervorragenden Flugeigenschaften und dem überragenden Positionierungssystem stellt sie sämtliche Konkurrenzprodukte mit Leichtigkeit in den Schatten. Selbst Modelle, welche das Dreifache der Tello kosten.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Tello Drohne ist die Möglichkeit der Programmierbarkeit. Mit der Programmiersprache Scratch können Einsteiger und sogar Kinder spielend die Grundlagen des Programmierens erlernen. Fortgeschrittener Benutzer können sogar mit dem Tello SDK auch eigene Softwareanwendungen für Tello entwickeln.

Natürlich muss man bei dieser günstigen Preisklasse gewisse Abstriche machen. So verfügt die Tello weder über GPS, Hindernissensor noch über bürstenlose Motoren. Der Lieferumfang fällt mit nur einem Akku äußerst spärlich aus. Nun gut, ein USB-Kabel samt Stromadapter dürfte heutzutage in jedem Haushalt vorhanden sein. Die Reichweite sowie die Bild- bzw. Videoqualität ist nicht gerade die Stärke der Ryze Tello. Die vorhandene VR-Funktion mit Google Cardboard oder ähnlichen Brillen ist lediglich rudimentär und kann nicht mir einer richtigen VR-Brille wie den DJI Goggles verglichen werden.

Was könnte man besser machen?

Mit diesem Preis können wir beim aktuellen Stand der Technik zum Erscheinungsdatum der Ryze Roboctics Tello Drohne nur sehr wenige durchführbare Verbesserung ausmachen. Und zwar ein on-board SD-Speicherkartenmodul zum einen und eine bessere Wi-Fi Verbindung zum anderen. So könnte man die lästige Ruckler bei der Aufnahme innerhalb einer gewissen Reichweite größtenteils vermeiden.

Gibt es Alternativen?

In ihrere Preisklasse ist der Tello Quadcopter derzeit das Nonplusultra.
Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von Spielzeugdrohnen in dieser Preisklasse und alle haben etwas gemeinsam. Sie können gegenwärtig nicht mit Flugeigenschaften, geschweige denn mit dem visuellen Positionierungssystem der Tello mithalten. Bereits die kleinste Brise nimmt diese Spielzeugdrohnen unfreiwillig mit auf eine wilde Reise durch die Lüfte, welche meist am nächsten Haus oder Buschen endet. Damit sind die Produkte der direkten Tello-Mitbewerber bestenfalls nur indoor-tauglich.

Ryze Tello Test Bewertung
Design85
Kamera60
Flugeigenschaften / Features80
Flugzeit / Reichweite75
Preis-Leistung100
Leser Bewertung19 Votes85
TOP
Preis
Positionierungssystem
Flugstabilität
Flugzeit
Programmierbar
FLOP
Keine SD-Card
Signalübertragung
Reichweite
Akku-Ladezeit
80
Sehr Gut
Hier erhältlich

Technische Daten

Sämtliche technische Ryze Tello Drohne

FLUGGERÄT

Startgewicht ca 80 g inkl. Propeller und Batterie
Abmessungen 98×92,5×41 mm
Propellerlänge 76,2 mm
Built-in Functions Range Finder, Barometer, LED, Vision System, 2.4 GHz 802.11n Wi-Fi,
720p Live View
Anschluss Micro USB Ladeanschluss

FLUGLEISTUNG

Max. Flugreichweite 100 Meter
Max. Geschwindigkeit 8m/s ≈ 28,8 km/h
Max. Flugzeit 13 Minuten
Max. Flughöhe 10 Meter

Batterie

Abnehmbare Batterie 1.1Ah/3.8V

Kamera

Foto 36 km/h bei 2 m über dem Boden
Sichtfeld 82.6°
Video HD720P30
Format JPG(Photo); MP4(Video)
Bildstabilisierung Ja; EIS

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